Wie Sie die Umsatzsteuer bei Verkäufen ins Ausland handhaben!

Wie Sie die Umsatzsteuer bei Verkäufen ins Ausland handhaben!

Schöne neue Online-Shopping-Welt: Anders als klassische Ladengeschäfte sind Online-Händler nicht an einen Standort gebunden – theoretisch können sie ihre Ware in der ganzen Welt absetzen! Das bedeutet mehr Märkte und mehr Umsatz für Sie!

Wenn da nicht die leidige Bürokratie wäre…

Denn sobald Sie ins Ausland verkaufen, gelten plötzlich völlig andere Regeln für die Umsatzsteuer: Reverse Charge, Schwellenbeiträge, Mini-One-Stop-Shop – wer soll sich da zurechtfinden? Aber keine Panik: Wir erklären Ihnen verständlich und schnell, was Sie beachten müssen.

Die Grundsatzfrage: B2C oder B2B?

Wir konzentrieren uns in diesem Ratgeber auf Lieferungen ins EU-Ausland und die Schweiz – für die meisten Online-Händler der wahrscheinlichste Fall.

Innerhalb der EU gibt es zwei mögliche Szenarien: Sie verkaufen etwas an einen Firmenkunden; oder Sie verkaufen etwas an einen Endverbraucher.

Szenario I – der Firmenkunde

Im Falle eines Firmenkunden greift die Regelung für „steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen“: Weil es sich um eine gewerbliche grenzüberschreitende Lieferung im EU-Raum handelt, müssen Sie die Umsatzsteuer NICHT ausweisen.

Wichtig: Die gestellte Rechnung muss nicht nur Ihre eigene, sondern auch die USt.-Identifikationsnummer des Empfängers aufweisen!

Außerdem wichtig: Die Rechnung muss den Hinweis „steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen“ enthalten.

Und zu guter Letzt: Sie müssen dem Finanzamt gegenüber nachweisen können, dass die Lieferung am Bestimmungsort angekommen ist und Sie die USt.-ID geprüft haben! Heben Sie also unbedingt die Versandpapiere und den Prüfbeleg der USt.-ID Abfrage auf.

Szenario II – der Endverbraucher

Verkaufen Sie etwas an einen Endverbraucher im EU-Ausland, dann haben Sie die Wahl: Entweder weisen Sie wie gewohnt die deutsche Umsatzsteuer aus, und führen diese an das deutsche Finanzamt ab. Oder Sie geben den Umsatzsteuersatz an, der für das Zielland gilt!

Beachten Sie: Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Umsatzsteuersatz des Ziellandes zu verwenden, dann werden Sie auch im Zielland umsatzsteuerpflichtig! Außerdem bindet Sie diese Entscheidung für zwei Jahre.

Es gibt allerdings eine Einschränkung für diese Regelung, was uns zu unserem nächsten Thema führt:

Schwellenbeträge

Wenn Ihr Jahresumsatz im Zielland einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, haben Sie nicht länger die Wahl: Ab diesem Zeitpunkt MÜSSEN Sie den Umsatzsteuersatz des Ziellandes zugrunde legen, sich die ausländische USt.-Identifikationsnummer besorgen und die im Zielland gemachten Umsätze auch dort versteuern! Dieser Schwellenwert variiert, liegt aber in den meisten EU-Ländern bei 35.000 Euro. Eine detaillierte Übersicht nach Land finden Sie hier.

Wurde der Schwellenwert einmal überschritten, ist man auch im nächsten Jahr noch verpflichtet, die Umsatzsteuer im Zielland abzuführen – und jetzt schon ab der 1. Bestellung.

Besondere Produktarten

Noch ein Stolperstein: Nicht alle Produkte werden gleichbehandelt – für manche gelten besondere Regeln!

Produkte mit besonderen Abgaben:
Bei Alkohol und Tabak greift die Erwerbsbesteuerung nach § 3c Abs. 5 S. 2 UStG: Es findet die Erwerbsbesteuerung immer dann im Bestimmungsland statt, wenn der Erwerber kein Unternehmer, sondern ein privater Abnehmer ist. Eine Lieferschwelle gibt es in diesen Fällen auch nicht. Insoweit gelten für verbrauchsteuerpflichtige Waren und Fahrzeuge Sonderregelungen.

Elektronisch erbrachte Leistungen:
Bei digitalen Produkten wie Download- oder Streaming-Angeboten, E-Books oder Online-Videokursen verhält es sich genau umgekehrt: Hier muss die Umsatzsteuer im Land des Kunden abgeführt werden!
Um deutschen Unternehmern in diesem Zusammenhang das Leben zu erleichtern, wurde das sog. Mini-One-Stop-Shop-Verfahren eingerichtet. Dabei handelt es sich um eine separate Steuererklärung, die alle im Ausland getätigten Umsätze für elektronisch erbrachte Leistungen zusammenfasst. Der Unternehmer zahlt dann die erhobene Umsatzsteuer je Land in einer Summe an das Bundeszentralamt für Steuern, wo auch die Meldung erfolgt.

Und was ist mit der Schweiz?

Bei Lieferungen in die Schweiz muss keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden! Sie müssen allerdings nachweisen können, dass die Lieferung angekommen ist – also bitte wieder Versandpapiere aufheben. Des Weiteren ist der Hinweis „Umsatzsteuerfreie Ausfuhrlieferung“ auf der Rechnung nötig!

Wichtig: Gibt Ihr Kunde als Rechnungsadresse eine Adresse in der Schweiz an (kein Mitglied der EU), als Lieferadresse aber eine Adresse in Österreich (EU-Land), dann handelt es sich um eine EU-Bestellung und es muss dementsprechend verfahren werden. Es zählt immer die Lieferadresse, nicht die Rechnungsadresse des Kunden!

Was bedeutet das für meinen Online-Shop?

Ein wesentlicher Punkt, den Online-Händler im Auge behalten müssen: Das Problem Umsatzsteuer bei Verkäufen ins Ausland erstreckt sich nicht nur auf die Rechnungstellung – Sie müssen den verwendeten Umsatzsteuersatz auch schon online in Ihrem Shop ausweisen!

Mit Shopware kein Problem! Die Umsatzsteuer wird hier in jeder Variante korrekt angezeigt, egal ob es sich um physische oder digitale Güter handelt, Alkohol oder Tabak verkauft werden soll, oder Sie den Umsatzsteuersatz des Ziellandes zugrunde legen möchten!

Die USt.-ID-Prüfung erfolgt bei Shopware ebenfalls direkt in Echtzeit bei Eingabe der Bestellung, ggf. auch mit amtlicher Bestätigung per E-Mail – so sind Sie auch bei Transaktionen mit B2B-Kunden immer auf der sicheren Seite!

Sie möchten auch gerne im Ausland verkaufen und mehr Umsatz machen? Dann rufen Sie uns doch einfach kurz an oder schreiben Sie uns eine E-Mail! TIKAL Communication berät Sie völlig unverbindlich, wie Sie neue Märkte erobern – und übernimmt auf Wunsch auch die Umsetzung!


Haftungsausschluss: Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Blog-Beitrag lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung / Steuerberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung / Steuerberatung, die auf Ihre spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen aus unserer Praxis ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.